Obgleich der Künstler Harald Glatte sich zunehmend eher der abstrakten Malerei hingezogen fühlt, hat er – ähnlich dem Künstler Gerhard Richter – die gegenständliche Malerei nie ganz verlassen. Immer wieder vom Neuen reizt es ihn, – insbesondere bei spezifischen Thematiken – sich dem Gegenständlichen in ästhetischer Weise konkreter als es die abstrakte Arbeitsweise erfordert, zu nähern. Von Relevanz bei seiner Hinwendung zur gegenständlichen Malerei sind überwiegend Menschen: Portraits von Frauen, aber auch Männern, gelegentlich Tiere innerhalb bestimmter Geschichten, manchmal: Landschaften.

Caroline erwartet Mozart,2016

Setzt sich Glatte mit historischen Persönlichkeiten wie ihren Örtlichkeiten auseinander, setzt er diese auf seine ganz eigene Art und Weise in gegenständlicher Malweise um, zuletzt auch deshalb, um bei den wissenden Betrachter den Wiedererkennungseffekt und damit die ästhetische Auseinandersetzung mit der gemalten historischen Person zu erhöhen. Gleichwohl interpretiert der Künstler die dargestellten Personen auf seine ihm eigene Weise: farbenfroh, großformatig, stofflich bereichert, häufig konfrontativ, provokant, charmant, romantisch, verwegen, befreit, anmutend. Derart existieren Exponate von: „Charlotte von Geispitzheim“, „Mozart“, „Georg von Neumeyer“, „Caroline von Nassau-Oranien“, „Künstlerin Gabriele Jahnke“ sowie die Verkörperung alltäglicher Menschen wie den in Östereich einst ansässigen Italiener: „s´Börtle“, oder aber fiktive Personen wie: „Wienerin mit Hund“, „Die Eisprinzessin“, „Alte Männer Pfeife rauchend aus dem Mittelmeerraum“.

Charlotte, 2016


Einmal bist du mir nicht genug, 2016

Das relativ aktuelle Kunstwerk: „Einmal bist du mir nicht genug“ verweist in seiner Darstellungsweise bereits stark auf die von der Künstlerkollegin Gabriele Jahnke häufig verwendete Methode der Spiegelung bzw. Klonung. In diesem Fall bannte Glatte eine fiktive Frauengestalt wie doppelt gesehen auf die Leinwand, und zwar in leicht versetzter Form, so dass die Frau über 2 Köpfe, 4 Arme und 4 Beine zu verfügen scheint.

Wienerin mit Hund, 2016

Die gegenständlich konkrete Malweise, die zunächst als zweidimensionaler künstlerischer Akt angelegt ist, durchbricht Glatte, indem er sinnlich wie haptisch konkretes Material der farbigen Pinselführung beifügt. Derartige Strukturen vermittels Jute, Sand, Stoffe, Zeitungen, etc. verleihen den Exponaten eine Spur von: Dreidimensionalität und damit noch mehr räumliche Tiefe als es die farbige Malweise allein zu leisten vermag. Darüber hinaus ist das jeweils eingesetzte Material in der Lage, spezifische Bedeutungen hervorzuheben. Glattes gegenständlichen Arbeiten unterliegen zunehmend dem experimentellen Charakter, den gleichwohl die Künstlerin Gabriele Jahnke verfolgt wie ästhetisch einsetzt.

Neumayer, 2016

Den eigenen Malstil Harald Glattes wie seine ihm naheliegende Arbeitsweise erkennt der wissende Betrachter sofort, ganz gleich, ob es sich um gegenständliche oder aber abstrakte Gemälde von ihm handelt. Großformatig und farbenfroh in den meist verwendeten Primärfarben mit seiner ihm eigenen Pinselführung und dem spezifisch ästhetischem Gestus bringt er all seine Werke auf die Leinwand.